KI-Rechenzentren in Europa sind gerade ein großes Wachstumsgeschäft und zugleich ein Streitthema. Jede Anfrage an ein KI-Werkzeug wie ChatGPT von OpenAI wird in einem Rechenzentrum berechnet. Der Branchenverband European Data Centre Association (EUDCA) rechnet für die Jahre 2026 bis 2031 mit 176 Milliarden Euro an Investitionen. Am 6. November 2026 zeigte eine Aktion in Amsterdam, wie stark der Widerstand vor Ort wird. Golem.de griff beides am selben Tag unter der Frage auf, ob Europa vom Druck auf US-Rechenzentren profitieren kann. Hier liest du die Zahlen, die Argumente beider Seiten und was das für Deutschland bedeutet. Stand der Fakten: 7. November 2026, Quellen am Ende.
Wie viel Geld fließt in KI-Rechenzentren in Europa?
Laut EUDCA rund 176 Milliarden Euro von 2026 bis 2031. Das steht im Bericht „State of European Data Centres 2026“, den der Verband im Februar 2026 vorgestellt hat. Ein Jahr vorher lag die Prognose laut dem Fachmedium Techzine noch bei 80 Milliarden Euro für 2025 bis 2030. Der Treiber ist vor allem künstliche Intelligenz: Das Training großer Sprachmodelle und KI-Anwendungen brauchen viel Rechenleistung.
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Erwartete Investitionen 2026–2031 | 176 Mrd. Euro | EUDCA, Februar 2026 |
| IT-Leistung der Rechenzentren in Europa 2023 | 10.539 Megawatt | EUDCA, Februar 2026 |
| IT-Leistung 2025 | 14.784 Megawatt | EUDCA, Februar 2026 |
| Betreiber, die Strom als größte Hürde nennen | 67 % | EUDCA, Februar 2026 |
| Genehmigte KI-Fabriken und KI-Gigafactories der EU | 19 und 5, zusammen über 30 Mrd. Euro | interface, Mai 2026 |
Andere Marktforscher rechnen anders. Arizton nennt für Europa 59,84 Milliarden US-Dollar Investitionen im Jahr 2025 und 148,82 Milliarden US-Dollar im Jahr 2031. Die Zahlen sind darum Prognosen, keine festen Zusagen.
Wer baut die KI-Rechenzentren? Vor allem große Cloud-Anbieter wie Microsoft, Google und Amazon mit ihren Hyperscale-Rechenzentren, also sehr großen Anlagen mit vielen Tausend Servern, Colocation-Firmen, die Fläche und Strom an Mieter vergeben, und Projekte der Europäischen Kommission. Die EU fördert KI-Fabriken und KI-Gigafactories, also große Rechenzentren mit KI-Chips für Forschung, Start-ups und Unternehmen. Ziel ist digitale Souveränität: Europa soll weniger von Rechenleistung und Cloud-Computing aus den USA abhängen.
Wo stehen die wichtigsten Rechenzentren in Europa?
Die klassischen Standorte für Rechenzentren in Europa sind laut Techzine fünf Städte: Frankfurt, London, Amsterdam, Paris und Dublin. Die Branche nennt sie die FLAP-D-Märkte. Weil dort Strom und Fläche knapp werden, rücken neue Standorte nach. Arizton nennt unter anderem Norwegen, Schweden, Spanien, Italien, Finnland, Polen und Österreich.
| Land | Anteil an den Rechenzentrums-Investitionen in Europa 2025 |
|---|---|
| Großbritannien | etwa 27 % |
| Deutschland | etwa 12 % |
| Westeuropa gesamt | etwa 76,75 % |
Quelle der Tabelle: Arizton, Juni 2026. In Deutschland ist Frankfurt am Main der wichtigste Standort für Rechenzentren. Für KI-Infrastruktur zählt heute vor allem, wie schnell ein Rechenzentrumsbetreiber einen Netzanschluss bekommt. Laut EUDCA brauchen KI-Cluster mehr als 100 Kilowatt pro Server-Schrank. Das treibt den Wechsel zu Flüssigkeitskühlung und erhöht den Strombedarf je Standort.

Was ist am 6. November in Amsterdam passiert?
Rund 100 Aktivisten versuchten am Freitagmorgen, die Baustelle eines großen Microsoft-Rechenzentrums am Plimsollweg in Amsterdam zu betreten. Das berichtete die niederländische Nachrichtenagentur ANP. Dutzende besetzten danach das Gelände.
- Wer: Organisiert hat die Aktion laut ANP die Gruppe „Geef Tegengas“, unterstützt von weiteren Gruppen, darunter Extinction Rebellion und Scientists for Future. Rund 100 weitere Menschen demonstrierten vor dem Zaun.
- Was: Laut ANP kletterten Aktivisten mit Leitern über den Zaun, schnitten ein Loch hinein, stiegen auf einen Kran und hängten ein Transparent auf.
- Polizei: Der Bürgermeister hatte die Aktion verboten. Laut ANP setzte die Bereitschaftspolizei Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Laut The Guardian wurde ein Polizist leicht verletzt.
- Reaktionen: Laut The Guardian nannte der Eigentümer Pure Data Centres das Betreten einer Baustelle rechtswidrig und gefährlich. Microsoft erklärte demnach, das Wohl der Menschen vor Ort habe Vorrang.
Das Projekt besteht laut The Register aus drei Türmen mit je 85 Metern Höhe und zusammen 78 Megawatt Leistung für Datenhallen. Amsterdam beschränkt neue Hyperscale-Rechenzentren. Laut niederländischen Medien fällt das Projekt durch die Aufteilung auf drei Türme unter die Grenze für ein einzelnes großes Rechenzentrum. Schon im Juli 2026 hatte Extinction Rebellion laut The Register Ballons mit einer ätzenden Mischung auf die Baustelle geworfen.
Warum protestieren Menschen gegen Rechenzentren?
Die Gegner nennen vor allem drei Gründe: Strombedarf, Wasserverbrauch und Fläche. Dazu kommt Kritik an der Macht großer Technologieunternehmen.
- Strom: Laut Geef Tegengas soll das Amsterdamer Rechenzentrum so viel Energie verbrauchen wie alle Haushalte der Stadt. Diese Zahl ist eine Aussage der Gruppe und nicht unabhängig geprüft.
- Wasser: Rechenzentren brauchen Kühlung. Laut The Guardian kritisierte eine Aktivistin den Verbrauch von Trinkwasser.
- Fläche und Netze: In Frankfurt am Main beanspruchen mehr als 100 Rechenzentren laut netzpolitik.org bis zu 40 Prozent des städtischen Strombedarfs (April 2026).
Amsterdam ist kein Einzelfall. In Linz protestierten laut Euronews im September 2026 rund 400 Menschen gegen das geplante Google-Rechenzentrum in Kronstorf in Oberösterreich. Die erste Ausbaustufe könnte laut Medienberichten, die Euronews zitiert, bis zu 1,31 Terawattstunden Strom im Jahr verbrauchen. Das entspricht etwa dem Bedarf von 375.000 Haushalten. Google betont laut Euronews, seine Rechenzentren gehörten zu den energieeffizientesten der Welt. Ein Bündnis mit dem Namen „Stop Dirty Data Centres“ hatte für den 6. und 7. November 2026 zu Aktionstagen in Europa aufgerufen. Laut The Guardian hat es die Amsterdamer Besetzung aber weder koordiniert noch beworben.

Was sagen Betreiber und Politik?
Die Betreiber verweisen auf Bedarf, Arbeitsplätze und Effizienz. Der Leiter von Equinix Benelux sagte im August 2026 dem Sender NOS sinngemäß, alle wüssten, dass man Rechenzentren brauche. Die EUDCA meldet, dass laut ihren Daten 90 Prozent der Energie europäischer Rechenzentren aus erneuerbaren Quellen stammen. Für 2031 erwartet der Verband einen Beitrag von 137,5 Milliarden Euro zur Wirtschaftsleistung.
Die Politik will mehr Kapazität. Laut netzpolitik.org will die Bundesregierung die Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland bis 2030 mindestens verdoppeln und die KI-Kapazitäten vervierfachen. Laut netzpolitik.org war im April 2026 auch geplant, das Energieeffizienzgesetz abzuschwächen; Kritiker sprachen dort von Lobbyeinfluss. Die EU-Kommission fördert KI-Fabriken und KI-Gigafactories, damit europäische Firmen und Forschung eigene KI-Modelle trainieren können. Engpass bleibt die Energieversorgung: Laut EUDCA verzögern volle Stromnetze und lange Anschlusszeiten viele Projekte.
Was bedeuten die KI-Rechenzentren für dich in Deutschland?
Für dich hat das Thema zwei Seiten. KI-Dienste, die du nutzt, brauchen diese Rechenzentren. Ein Standort in Europa kann helfen, Daten unter europäischem Recht zu verarbeiten. Gleichzeitig konkurrieren große Rechenzentren mit Haushalten und Industrie um Netzanschlüsse und Fläche.
- Vor Ort mitreden: Über neue Rechenzentren entscheiden oft Gemeinden. In Groß-Gerau stimmten die Stadtverordneten laut netzpolitik.org gegen das bis dahin größte Rechenzentrum der Rhein-Main-Region.
- Zahlen prüfen: Prognosen von Branchenverbänden und Aussagen von Protestgruppen verfolgen jeweils eigene Ziele. Achte auf die Quelle.
- Eigenen KI-Einsatz kennen: Wie KI-Werkzeuge im Alltag arbeiten, zeigen die Artikel über Claude Code und Gemini Omni.
Weitere Technik-Themen findest du im Blog von vatha.de, meine eigenen Webseiten unter Projekte.
Häufige Fragen
Wie viel wird in KI-Rechenzentren in Europa investiert?
Der Branchenverband EUDCA erwartet von 2026 bis 2031 Investitionen von 176 Milliarden Euro in europäische Rechenzentren. Das ist eine Prognose, keine feste Zusage.
Was ist am Microsoft-Rechenzentrum in Amsterdam passiert?
Am 6. November 2026 versuchten laut ANP rund 100 Aktivisten, die Baustelle am Plimsollweg zu betreten. Dutzende besetzten das Gelände. Der Bürgermeister hatte die Aktion verboten, die Polizei griff ein.
Warum gibt es Proteste gegen Rechenzentren?
Die Gegner kritisieren vor allem den Stromverbrauch, den Wasserverbrauch für die Kühlung und den Flächenbedarf. Dazu kommt Kritik an der Macht großer Technologieunternehmen. Die Betreiber verweisen auf Energieeffizienz, erneuerbaren Strom und Arbeitsplätze.
Wie viel Strom brauchen Rechenzentren in Europa?
Laut EUDCA stieg die IT-Leistung europäischer Rechenzentren von 10.539 Megawatt im Jahr 2023 auf 14.784 Megawatt im Jahr 2025. 67 Prozent der Betreiber nennen den Zugang zu Strom als größte Hürde.
Was sind KI-Gigafactories?
KI-Gigafactories sind sehr große Rechenzentren mit KI-Chips, die die EU fördert. Laut interface hat die EU 19 KI-Fabriken und 5 KI-Gigafactories mit zusammen über 30 Milliarden Euro Rechenleistungs-Investitionen genehmigt (Stand Mai 2026).
Quellen
- Ursprungsquelle: „Actiegroep probeert bouwplaats Microsoft-datacentrum te bezetten“, Villamedia/ANP, 06.11.2026, villamedia.nl/artikel/actiegroep-probeert-bouwplaats-microsoft-datacentrum-te-bezetten
- Anstoß: „US-Rechenzentren unter Druck: Europas Chance auf KI-Milliarden“, Golem.de, 06.11.2026, golem.de/news/us-rechenzentren-unter-druck-europas-chance-auf-ki-milliarden-2611-214941.html
- The Guardian: Bericht zur Besetzung der Microsoft-Baustelle in Amsterdam, 06.11.2026 (wiedergegeben von PiQ Markets, 06.11.2026)
- EUDCA: State of European Data Centres 2026, berichtet von DCNN Magazine, 04.02.2026
- Techzine: Europe's data center market booms, 04.03.2026
- Arizton: Europe Data Center Market Landscape 2026–2031, Juni 2026
- The Register: Amsterdam activists throw acid at Microsoft datacenter project, 16.07.2026
- NOS: Weer protest tegen datacenter, 17.08.2026
- Euronews: Hunderte protestieren gegen geplantes Google-Rechenzentrum in Österreich, 22.09.2026
- netzpolitik.org: „Rechenzentren sind Vampire“: Wo sich lokaler Widerstand gegen den KI-Hype formiert, 17.04.2026
- interface: European AI Competitiveness Beyond Frontier Models, Dr. Nicole Lemke, 14.05.2026
- Grenzeloos: Amsterdam sluit zich aan bij de anti-datacenterbeweging (Aufruf zu Aktionstagen am 6. und 7. November 2026), 31.10.2026