3I/ATLAS ist erst der dritte bekannte Besucher aus einem anderen Sternsystem, und jetzt verrät sein Methan etwas über seine Herkunft. Ein Forschungsteam um Nathan Roth von der American University und dem NASA Goddard Space Flight Center hat mit dem James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) gemessen, wie viel schwerer Wasserstoff im Methan des Kometen steckt. Der Wert liegt laut Studie über jedem Methan-Wert, der je im Sonnensystem gemessen wurde. Hier liest du, was gemessen wurde, was die Zahl bedeutet und was noch unsicher ist. Stand der Fakten: 7. November 2026, Quellen am Ende.
Was ist 3I/ATLAS?
3I/ATLAS ist ein Komet aus dem interstellaren Raum, also aus einem anderen Sternsystem unserer Milchstraße. Laut NASA meldete das ATLAS-Teleskop in Río Hurtado, Chile, den Kometen am 1. Juli 2025. Ältere Aufnahmen reichen bis zum 14. Juni 2025 zurück. Die „3“ steht für das dritte bekannte interstellare Objekt, das „I“ für interstellar. Vor ihm waren 1I/ʻOumuamua und 2I/Borisov bekannt. ATLAS ist der Name des Suchprogramms, das ihn fand: Asteroid Terrestrial-impact Last Alert System, ein Netz von Teleskopen, das nach Asteroiden auf Kurs zur Erde sucht.
| Eckdaten 3I/ATLAS | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Entdeckung gemeldet | 1. Juli 2025, ATLAS-Teleskop, Chile | NASA |
| Sonnennächster Punkt | um den 30. Oktober 2025, etwa 1,4 AE (210 Mio. km) | NASA |
| Kleinster Abstand zur Erde | etwa 1,8 AE (270 Mio. km) | NASA |
| Hubble-Aufnahme | 21. Juli 2025, Abstand zur Erde rund 446 Mio. km | Sci.News |
| Gefahr für die Erde | keine | NASA |
| Bahn | offen (hyperbolisch), der Komet verlässt das Sonnensystem | NASA |
1 AE (Astronomische Einheit) ist der mittlere Abstand zwischen Erde und Sonne, rund 150 Millionen Kilometer.
Was hat das James-Webb-Teleskop bei 3I/ATLAS gemessen?
Das Teleskop hat im Methan des Kometen ein Deuterium-Wasserstoff-Verhältnis (D/H) von etwa 3,2 Prozent gemessen. Laut der Studie ist das mehr als jeder Methan-Wert, der je im Sonnensystem gemessen wurde.
- Wann: am 22. und 23. Dezember 2025, als 3I/ATLAS etwa 2,4 AE von der Sonne entfernt war (Sci.News, t3n).
- Womit: mit dem Spektrografen NIRSpec des JWST im nahen Infrarot (Sci.News). Das Team hat das Licht der Koma untersucht, der Gashülle um den Kern.
- Ergebnis: D/H im Methan (3,18 ± 0,30) Prozent, laut der Studie in Nature Astronomy.
- Vergleich: Faktor 13 ± 2 über dem Wert von Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, gemessen von der ESA-Sonde Rosetta. 67P ist laut Studie der einzige andere Komet, bei dem Forscher deuteriertes Methan nachgewiesen haben.
Der frühere Preprint der Studie bei arXiv nannte (3,33 ± 0,31) Prozent und den Faktor 14 ± 2. Die veröffentlichte Studie gibt (3,18 ± 0,30) Prozent und den Faktor 13 ± 2 an. Mit der Messunsicherheit passen beide Angaben zusammen.

Was ist Deuterium und warum ist das D/H-Verhältnis wichtig?
Deuterium ist schwerer Wasserstoff: Sein Kern hat neben dem Proton noch ein Neutron. Das Verhältnis von Deuterium zu normalem Wasserstoff hängt davon ab, wie kalt es war und wie viel Strahlung es gab, als sich das Eis bildete. Darum gilt der Wert als eine Art Fingerabdruck der Geburtsumgebung.
Bei sehr niedrigen Temperaturen reichert sich Deuterium in Molekülen an. Kosmische Strahlung treibt die Chemie an, die dafür sorgt. Laut t3n zeigt die Studie zudem: Im Methan von 3I/ATLAS ist der D/H-Wert etwa dreimal so hoch wie im zuvor gemessenen Wasser des Kometen. Auch bei 67P ist Methan stärker mit Deuterium angereichert als Wasser, laut Studie passt das Verhältnis beider Kometen in diesem Punkt zusammen.
Woher kommt 3I/ATLAS laut der Studie?
Laut den Autoren aus einer kalten, metallarmen Umgebung mit starker kosmischer Strahlung, etwa einer interstellaren Wolke oder der Umgebung eines entstehenden Sterns. „Metallarm“ heißt in der Astronomie: wenig Elemente, die schwerer als Helium sind.
Einen genauen Geburtsort kann die Messung nicht festlegen. Laut phys.org, zitiert von t3n, beschreibt die Studie einen plausiblen Entstehungsweg, keinen gefundenen Ort. Die Autoren halten es auch für möglich, dass das Methan später entstand, als die Chemie mehr Zeit hatte, Deuterium anzureichern. Messungen von Methan-D/H außerhalb des Sonnensystems fehlen bisher. Laut Sci.News hat das Team deshalb mit Werten anderer Moleküle in Sternentstehungsgebieten verglichen.
| Punkt | 3I/ATLAS | 67P |
|---|---|---|
| Herkunft | anderes Sternsystem | unser Sonnensystem (Jupiter-Familie) |
| D/H im Methan | (3,18 ± 0,30) % | etwa 13-mal niedriger |
| Messung | JWST, Dezember 2025 | Rosetta (ESA) |
Quellen der Tabelle: Roth et al., Nature Astronomy (23.10.2026); t3n (07.11.2026).

Ist 3I/ATLAS ein Komet oder ein Raumschiff?
Ein Komet. Die NASA hat 3I/ATLAS offiziell als Kometen eingestuft, berichtet Euronews am 3. November 2025. Der Harvard-Astrophysiker Avi Loeb hielt laut Euronews eine außerirdische Technik für möglich, weil der Komet eine Beschleunigung zeigte, die nicht allein von der Schwerkraft kommt. Die NASA blieb bei der Einstufung als Komet. Die neue Studie misst Gase in der Koma des Himmelskörpers: Methan, Wasser und laut Sci.News vor allem Kohlenmonoxid, etwa 3,6-mal so viel wie Wasser. Solche Gase setzt ein Komet frei, wenn sein Eis in Sonnennähe verdampft.
Was bedeutet das Ergebnis?
Die Messung liefert einen Isotopen-Wert für ein organisches Molekül aus einem anderen Planetensystem. Vergleichswerte für Methan aus fremden Sternsystemen gab es laut Studie bisher nicht. Das Methan von 3I/ATLAS ist damit eine Probe aus einer fremden Umgebung, die zu uns geflogen kam.
- Was die Messung zeigt: Die Eise von 3I/ATLAS sind unter anderen Bedingungen entstanden als die Kometen-Eise in unserem Sonnensystem.
- Was sie nicht zeigt: keinen genauen Herkunftsstern, kein Alter, keine Hinweise auf Leben. Methan ist hier ein einfaches Molekül aus Kohlenstoff und Wasserstoff.
- Was offen ist: Laut Sci.News ist unklar, ob heutige Modelle diesen Wert erklären können.
Schon im Frühjahr 2026 hatte ein Team der University of Michigan mit dem ALMA-Teleskop einen hohen D/H-Wert im Wasser von 3I/ATLAS gemeldet, veröffentlicht am 23. April 2026 ebenfalls in Nature Astronomy. Die neue Methan-Messung passt zu diesem Bild.
Kommt 3I/ATLAS zurück?
Nein. 3I/ATLAS hat den sonnennächsten Punkt Ende Oktober 2025 passiert und verlässt laut NASA das Sonnensystem auf einer offenen Bahn, ohne zurückzukehren. Die Messung vom Dezember 2025 gehört darum zu den wenigen Chancen, sein Eis aus der Nähe zu untersuchen.
Mehr Nachrichten und Technik-Themen findest du im Blog von vatha.de. Meine Webseiten stehen unter Projekte. KI-Motive für den Homescreen zeigt die VathaPixel Wallpaper-Galerie.
Häufige Fragen
Was hat das James-Webb-Teleskop bei 3I/ATLAS gefunden?
Einen sehr hohen Anteil an schwerem Wasserstoff (Deuterium) im Methan des Kometen: etwa 3,2 Prozent, rund 13-mal so viel wie bei Komet 67P.
Wann wurde die Studie zu 3I/ATLAS veröffentlicht?
Die Studie von Nathan Roth und Team erschien laut Sci.News am 23. Oktober 2026 in Nature Astronomy. Ein Preprint lag seit März 2026 bei arXiv.
Woher kommt 3I/ATLAS?
Aus einem anderen Sternsystem. Laut Studie bildete sich sein Eis vermutlich in einer kalten, metallarmen Umgebung mit starker kosmischer Strahlung. Einen genauen Ort kennt niemand.
Ist 3I/ATLAS gefährlich für die Erde?
Nein. Laut NASA kam der Komet der Erde nie näher als etwa 1,8 AE, rund 270 Millionen Kilometer.
Ist 3I/ATLAS ein Raumschiff?
Nein. Laut NASA ist 3I/ATLAS ein Komet. Die JWST-Daten zeigen Gase wie Methan, Wasser und Kohlenmonoxid, die ein Komet freisetzt.
Was bedeutet das „3I“ im Namen?
„I“ steht für interstellar, „3“ für das dritte bekannte Objekt dieser Art nach ʻOumuamua und Borisov.
Quellen
- Ursprungsquelle: N. X. Roth et al., An Enriched Methane D/H Ratio in the Interstellar Object 3I/ATLAS, Nature Astronomy, 23.10.2026 (DOI 10.1038/s41550-026-03002-5); Preprint arXiv 2603.20445, eingereicht 20.03.2026, Version 2 vom 10.08.2026
- Christian Bernhard: Aus einem fremden Sternensystem: Was James-Webb-Daten über die Herkunft von 3I/ATLAS verraten, t3n, 07.11.2026
- Natali Anderson: Interstellar Comet 3I/ATLAS Carries Methane with Record-Breaking Heavy Hydrogen, Sci.News, 04.11.2026
- NASA Science: Comet 3I/ATLAS (science.nasa.gov), abgerufen 07.11.2026
- Theo Farrant: Schickten Außerirdische den interstellaren Kometen 3I/ATLAS?, Euronews, 03.11.2025
- L. Salazar Manzano et al.: Water D/H in 3I/ATLAS as a probe of formation conditions in another planetary system, Nature Astronomy, 23.04.2026 (DOI 10.1038/s41550-026-02850-5)